as long as he suffers there is hopeTitel nach Raymond Pettibon

Dias in Leuchtkästen aus einer Serie von 9, je 56 x44 cm, 2002


Zu Beate Passows Installation "As long as he suffers there is hope" St. Markus | München 13. September bis 3. November 2002


Auszug aus Rainer Schulz, Oktober 2002

Es ist eine besondere Hoffnung, dass wir Sehende sein werden, wenn wir aufhören, uns dessen bemächtigen zu wollen, was wir erkannt haben. Wenn wir also frei sind.

Neun altbekannte "Kreuzigungen" präsentieren sich in ungewohnter Gestalt. über das technische Mittel der photographischen Wiedergabe haben sie sich gelöst von ihrem ursprünglichen Bildträger. Ausgelagert auf Plexiglas und rückwärtig durchleuchtet, führen sie in der "Light Box" als dem lichterfüllten Schaufenster unserer Zeit schlechthin ein neues Dasein. Gezielt hat Beate Passow sie dorthin gerückt. Anders aber als bei dem Versuch einer Reproduktion, deren perfektionistischer Impetus ein Höchstmaß an Treue zum originalen Vorbild anstrebt, wird Altes hier dergestalt mit Neuem verknüpft, dass es eine zwar im historischen Vor-Bild ruhende, zugleich aber neu aufbrechende Eigenbildlichkeit erhält.

Dass die modernen Leuchtkästen ausgerechnet in einer alten Kirche Platz gefunden haben, scheint spätestens auf den zweiten Blick völlig nahe zu liegen - nicht nur der klassischen Bildmotive wegen, sondern doch gerade im Angesicht der Glasmalereien, die den Chorraum dieses Gebäudes beherrschen und die selbst so etwas wie das Vormodell der Leuchtkasten- und Schaufensterkultur unserer Zeit sind.

Beate Passow greift in das Geschichtsbuch der Erinnerung und sammelt quer durch den Lauf der Zeiten Bilder auf. Was sie gefunden hat, zeigt sie vor, indem sie sich des Ausdrucksrepertoires der Gegenwartswelt bedient. Dazu gehören die effektvolle, lichtdurchtränkte Präsentation ebenso wie die schier unendlichen Spielarten digitaler Bildmanipulation zwischen Retusche und Montage. So findet einerseits eine "Ehrenrettung der Originale" statt, indem die Künstlerin diese "neu zum Strahlen bringt", andererseits aber erhalten sie durch manipulierende Eingriffe ein Stück jener herausfordernden Kraft zurück, die sie zur Zeit ihres Entstehens mit Sicherheit allesamt einmal hatten - denn Beate Passow zeigt uns nicht den ganzen Bildfund, sondern nur einen Teil. Ein entscheidendes Element lässt sie verschwinden: den Leib des Gekreuzigten.

Mit Hilfe des Computers inszeniert die Künstlerin eine Quasi-Entrückung des Corpus Christi und entzieht ihn damit dem Auge des Betrachters